Finanzielle Fitness

Wer etwas für seine Fitness tun will, der weiß: Am Anfang steht der Check des aktuellen Stands. Wie ist es um meine körperliche Ausdauer bestellt, welche Werte erreichen Kraft, Koordination und Beweglichkeit? Auf der Basis dieser Analyse lässt sich dann ein Plan entwickeln, der hilft, Defizite zu beseitigen und die Stärken zu halten oder auszubauen. Dabei ist es ideal­, zur Bestandsaufnahme einen Fachmann, etwa einen Sportarzt, heranzuziehen, der dann an einen Trainer übergibt

Die Fitnessbranche, die Studios in Deutschland, halten sich an dieses Vorgehen auch in eigener Sache. Immerhin 8.700 Betriebe arbeiten hierzulande im Dienst der Gesundheit ihrer Mitglieder – und sie sind auch bemüht um die eigene, die finanzielle Fitness. Die Diagnose dafür haben sie an Creditreform übergeben. Schon zum siebten Mal in Folge hat die Creditreform Rating AG untersucht, wie stark die Betriebe sind. Wie steht es um das Eigenkapital und die Zahlungsweise, wie insolvenzanfällig ist die Branche? Aussagen über die finanzielle Fitness also, die ihren Wert natürlich erst durch den Vergleich mit anderen Branchen, mit der Gesamtwirtschaft gewinnen. Dabei zeigt sich insgesamt, dass sich die Fitnessbranche in den vergangenen Jahren verbessert hat, aber auch noch weiter trainieren könnte, um Spitzenwerte zu erreichen.

Big Data zur Bonitätsanalyse
Deutlich wird mit der vorliegenden Untersuchung der Fitnessbranche aber auch, wie wichtig das Urteil von Creditreform für die Analyse nicht nur eines einzelnen Betriebs ist –, das ist Aufgabe der Wirtschaftsauskunft – sondern ganzer Wirtschaftsbereiche. Auf der Grundlage der Auskunftserteilung lassen sich im Sinne von Big Data Überblicke gewinnen, die zeigen, wo anzusetzen ist, wenn es um die Bonität geht. Mit dieser Stärken- und Schwächenanalyse liegen Daten vor, die erst die Grundlage für einen Trainingsplan für mehr finanzielle Fitness schaffen.

Wenn die Zinsen steigen…

Ein Gutes hätte die Zinswende ja. Deutschlands Sparer könnten sich endlich darüber freuen, dass das Geld auf dem Konto wieder einen kleinen Ertrag abwirft. Denn trotz aktuell drohender Negativzinsen, auch für privaten Kunden, können sich die Deutschen noch immer nicht zu mehr Risiko entschließen. Aktien bleiben – anders als in anderen Ländern – weitestgehend tabu.

Nun wird über steigende Zinsen viel geredet. In den Veröffentlichungen der EZB wird zwischen den Zeilen gelesen, wie sonst nur in den Enzykliken des Vatikans oder den Parteibeschlüssen der KP Chinas. Dabei ist klar: Es ist nicht die lockere Geldpolitik in Brüssel, die Sorgen bereitet, sondern die Zinswende selbst. Was passiert, wenn die Zinsen steigen? Welche Folgen hätten eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank und damit ein Anstieg der Fremdkapitalzinsen für die traditionell fremdfinanzierte deutsche Wirtschaft?

Wir haben uns aktuelle Jahresabschlüsse näher angesehen – Grundlage ist die Creditreform Bilanzdatenbank – und müssen feststellen: Rund zehn Prozent sind bei der Ertragssituation in den roten Zahlen. Insgesamt 15,4 Prozent der Betriebe können die Zinsen nicht aus dem Gewinn zahlen. Dieser Anteil würde ansteigen: Ein moderater Zins­anstieg für langfristiges Fremdkapital um plus 1,5 Punkte durch den Kreditgeber würde die Schuldentragfähigkeit verringern und den Anteil der Unternehmen, die keine adäquate Zinsdeckung erreichen, um 1,5 Prozentpunkte ansteigen lassen (16,9 Prozent der Unternehmen). Bei einer Erhöhung der Zinsen um drei Prozentpunkte für die Unternehmensfinanzierung würde fast jedes fünfte Unternehmen (19,3 Prozent) keine adäquate Zinsdeckung mehr schaffen. Sprich: Sollte die EZB Zinsschritte wagen, so würden die erwirtschafteten Erträge bei vielen nicht mehr ausreichen, um nur die Zinsen für die aufgenommenen Kredite zu bedienen.

Michael Bretz

© Creditreform-Magazin

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Der Mittelstand wird vermisst

Der Mittelstand, nicht der unternehmerische, sondern der der Bürger in Deutschland, ist in Schwierigkeiten. Der aktuelle SchuldnerAtlas für Deutschland, zeigt, dass gerade die Überschuldung in den mittleren Schichten zugenommen hat – und dies trotz der guten Konjunktur.

Tatsächlich lassen sich weitere Merkmale für das „Problem Mittelstand“ festhalten. Da ist zunächst die Tatsache, dass die Einkommensentwicklung und die Vermögensverhältnisse in den letzten Jahren nur in den oberen Schichten deutlich verbessert wurden. Trotz guter Tarifabschlüsse und eines kräftigen Arbeitsmarktes zeigt sich, dass die Zahl der atypisch Beschäftigten zunimmt. Wer aber nur in Teilzeit beschäftigt ist, hat finanzielle Probleme angesichts steigender Mieten und höherer Energiekosten. So teilt sich der Mittelstand: in einen eher prekären Teil und einen Aufsteigerbereich. Die Vielzahl „kleiner Leute“, die einmal die Mitte der Gesellschaft prägten, verschwindet langsam. Die letzte Bundestagswahl mit den hohen Verlusten der Volksparteien, die sich als Vertreter der – kleineren oder größeren – Mittelständler sehen, ist ein wei­t­eres Beispiel für diese Entwicklung.

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, wusste Karl Marx anzumerken. Und so verändern sich auch die Tugenden des Mittelstandes. Die Erwerbsbiografien werden unsteter, Schulden sind kein Makel mehr, Vorsorge und Sicherheit verlieren an Bedeutung. Angesichts veränderter Bedingungen für die Erwerbstätigkeit durch Globalisierung und Digitalisierung reagieren nur wenige mit erhöhtem Einsatz und Anpassung. Viele verfallen in Gleichgültigkeit oder versuchen, den Schein von gewissem, mittelständischem Wohlstand aufrechtzuerhalten. Die einen öffnen keine Rechnung mehr, die anderen bekommen mehr und mehr Rechnungen. Sie sind es, die dann in die Überschuldung geraten.

Michael Bretz

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Arbeitgeber Mittelstand

Das Problem ist nicht neu: Bei der Jagd nach den besten Köpfen haben kleinere Betriebe gegenüber großen Konzernen oft das Nachsehen. Im Zeichen des Fachkräftemangels und der Digitalisierung spitzt sich die Lage zu. Für den Mittelständler wird es immer schwieriger, qualifizierte Kräfte zu finden. Eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt es: Trotz der hohen Ausbildungsleistung der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in der Vergangenheit – etwa im Handwerk – konnte offenbar nicht verhindert werden, dass die ausgebildeten Facharbeiter, Gesellen, Meister und Techniker zu Großunternehmen und Industrie abwanderten. Zudem dürften vom Arbeitskräftezuzug aus dem Ausland (Stichwort: Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger und Blue Card für Mangelberufe) weitgehend Großunternehmen profitieren. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während die durchschnittliche Mitarbeiterzahl bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland zwischen 2008 und 2016 nahezu unverändert bei gut 50 Mitarbeitern blieb, stieg die Beschäftigtenzahl in Großunternehmen in dieser Zeit kräftig an (plus 42 Prozent).
Diese Entwicklungen könnten die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft des Mittelstands beeinträchtigen. Creditreform selbst befindet sich aufgrund des Geschäftsmodells, etwa in der Automatisierung von Prozessen und im Datenbankaufbau, in der Avantgarde der Digitalisierung. Das Unternehmen ist aber durch die Vielzahl von Geschäftsstellen mittelständisch geprägt und sieht sich so gerade in Ballungszentren im scharfen Wettbewerb um IT-Fachkräfte. Nun gilt es deutlich zu machen, wo die Stärken des Mittelstands liegen: flexible, individuell gestaltete Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle, breite Möglichkeiten der Weiterbildung und vor allem eine interessante Tätigkeit, die Gestaltungsspielraum bietet und Verantwortung beinhaltet. Das macht den Unterschied zugunsten des Mittelstands aus.

Michael Bretz

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Süd-Nord-Gefälle

Eine übliche Frage vor dem Urlaub lautet: lieber in die Berge oder lieber ans Meer? Dabei muss niemand an ferne Länder denken – in Deutschland haben wir beides im Angebot. Im Norden die See und im Süden die Alpen. Die Unterschiede zwischen den Landesteilen sind aber nicht nur für den Touristen ein Thema. Sie betreffen mehr als die Ferien. Ganz im Gegenteil, sie betreffen die Wirtschaft und die Arbeit.

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Handel und Wandel

Die Welt im Handel ist wie nur wenige andere Bereiche vom digitalen Wandel betroffen. Der Internetnutzer kommuniziert im Netz, und er konsumiert dort. Die Geschäftszahlen von Facebook und Amazon zeigen, was das auch für kleine Anbieter bedeutet: Sprich im Netz und verkaufe im Netz!

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Der Gesetzgeber hat reagiert

Die Erfolgsmeldungen aus der deutschen Wirtschaft reißen nicht ab. Wir hören nur Gutes vom privaten Konsum und mittlerweile auch von den Investitionen, vom Arbeitsmarkt und vom Außenhandel. Hinzu kommen die Meldungen von den Finanzmärkten: Der Dax bleibt auf Rekordkurs, der Kreditmarktausblick fällt glänzend aus und die Bilanzzahlen zeigen, dass die Unternehmen bei den Erträgen und der Stabilität zulegen.

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Auf die Kleinen kommt es an

Seit über drei Jahrzehnten untersucht die Credireform Wirtschaftsforschung die konjunkturelle Lage und die Finanzierungssituation des unternehmerischen Mittelstands in Deutschland (und übrigens auch in Österreich). Die aktuelle Darstellung zeigt, dass kleine und mittlere Betriebe keinen Grund zur Klage haben.

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