Mit ESUG wird alles gut

Am ersten März 2012 ist die erste Stufe der erneuten Insolvenzrechtsreform in Kraft getreten. In weiteren Schritten wird auch das Privatinsolvenzrechtsverfahren novelliert, zunächst aber geht es um die Unternehmen. Mit dem Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) soll gelingen, was das Insolvenzrecht der neunziger Jahre nicht geschafft hatte: Unternehmen in der finanziellen Schieflage im Zuge des Insolvenzverfahrens auf den Weg der Sanierung zu bringen. In Deutschland hängt dem Insolvenzantrag nach wie vor an, dass hier das Aus für den Betrieb besiegelt werde. Institute wie die Eigenverwaltung oder der Insolvenzplan wurden nur in wenigen Fällen (erfolgreich) genutzt, liquidieren ging vor sanieren. Weiterlesen

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Schatten von Basel III

Eine frische Pressemeldung auf dem Bildschirm: Die LfA Förderbank Bayern registriert 2011 ein Rekordhoch in der sechzigjährigen Geschichte. 6100 kleine und mittlere Unternehmen erhielten im Vorjahr rund 1,9 Milliarden Euro zinsgünstiger Kredite. Sicher ein Zeichen für die nachhaltig gute Entwicklung der Konjunktur in Deutschland – schließlich geht es um ein Gesamtinvestitionsvolumen von 2,8 Mr. Euro. Aber die Zahlen werfen auch Fragen auf. Weiterlesen

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Der Mittelstand gibt ein Beispiel

Da mag die Zahl der Staaten, die am Rande der Zahlungsunfähigkeit balancieren, noch so zunehmen. Deutschland ist nicht nur auf Länderebene ein Beispiel der Stabilität, auch seine Unternehmen haben sich 2011 noch gefestigter gezeigt als im Vorjahr. Hatten 2010 mehr als 32.000 Betriebe Insolvenz melden müssen, so sind es zum Ende des laufenden Jahres noch 30.200. Ein Rückgang von 5,8 Prozent. Gegenläufig zur Verschuldungskrise hatte Deutschland bei seinen Betrieben schon 2010 eine Erholung bei den Firmenpleiten um fast drei Prozent registriert. Große Unternehmenszusammenbrüche zum Jahresende 2011 ließen zwar manche Beobachter noch einmal zucken, dennoch dürften Manroland und TelDaFax Ausreißer in einem nach wie vor mittelständisch bestimmten Insolvenzgeschehen darstellen.

Wie kommt es zu dieser erfreulichen Entwicklung? Zwei Ursachenfelder sind bestimmend: Zum Einen die konjunkturelle Erholung, zum Anderen die Finanzsituation der kleinen und mittleren Betriebe. Zur guten Konjunktur ist wenig zu sagen, die Fakten sind bekannt: Eine kräftige Exportzunahme aus dem steilen Absturz heraus, ein stabiler Arbeitsmarkt und eine zumindest solide Binnenkonjunktur tragen auch in diesem Jahr wesentlich zum Wachstum bei.

Weniger bekannt ist die verbesserte Finanzierungssituation der Unternehmen. Zunächst ein Blick auf die Fremdfinanzierung. Laut ifo liegt die Hürde für Unternehmen beim Kredit weiterhin sehr niedrig. Die KfW schließt sich dem an, wenn sie davon spricht, dass keine Indizien für Beschränkungen auf der Angebotsseite des Kreditmarktes vorlägen. Anzumerken bleibt, dass das Volumen ausgereichter Kredite noch um vier Prozent unter den Vorjahreswerten liegt.

Wirft man einen weiteren Blick auf die gute Entwicklung, die Leasing und Factoring 2011 genommen haben, dann zeigt sich, was den Unternehmern besonders wichtig war: Die Schaffung von Liquidität. Deutlich wird dies beim Zahlungsverhalten, ist doch die zügige Realisierung der Außenstände das wichigste Mittel, um flüssig zu bleiben. Dazu nur eine Zahl: Der Anteil der Unternehmen, die berichten, mehr als ein Prozent der Forderungen verloren zu haben, hat von 11,1 auf 8,9 Prozent abgenommen. Kern der Bonität ist aber neben der Optimierung des Working Capital das Eigenkapital. War jahrelang die Rede von der Eigenkapitallücke des deutschen Mittelstandes, so erscheinen nun – ganz unbeeindruckt von der Krise – markante Änderungen. Gegenüber dem Jahr 2002 hat sich der Anteil der Unternehmen, die eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent aufweisen, um mehr als zehn Prozentpunkte von 16,6 auf 28,7 Prozent erhöht. Und noch eine drittes zentrales Element der Innenfinazierung sei aufgezählt. Die Ertragslage hat sich verbessert. Eine aktuelle Befragung von Creditreform im Herbst ergibt, dass nur 18 Prozent eine Abschwächung der Erträge hinzunehmen hatten (Vorjahr 22,6 Prozent). Fast ein Drittel setzt auf steigende Gewinne.

Fazit: Deutschlands Mittelstand hat aus der Krise, der vergangenen wie der aktuellen, schnell gelernt. Sein Credo lautet: Hilf dir selbst! Die Unternehmer setzen auf die Innenfinazierung. Kein schlechter Weg für die Zahlungsfähigkeit, wenn man diese Philosophie im Kontext einer europäischen Krise sieht, die durch eine unendliche Schuldenlast geprägt ist.

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Und jetzt auch noch die Kreditklemme…

Eine recht zuverlässige Methode, das Aufkommen einer Rezession vorherzusagen, besteht darin, das Wort “Rezession” in den Medien zu zählen. Je häufiger das R-Wort erscheint, um so wahrscheinlicher, dass der Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Outputs Wirklichkeit wird. Wer aufmerksamer Leser von Wirtschaftszeitungen, sei es Print oder elektronisch, ist, findet ein Wort wieder, dass gehäuft vor zwei bis drei Jahren die Runde machte. Das aus dem amerikanischen stammende Credircrunch, die Kreditklemme. Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise, nachdem Lehman gefallen war und einige deutsche Institute nur mit viel Geld und dem beherzten Eingreifen der Regierung aufrecht gehalten wurden, hatte man befürchtet, dass die Kreditvergabe, insbesondere an Unternehmen, akut gefährdet sei. Dazu ist es nicht gekommen. Klagen gab es von Unternehmerseite dennoch, und tatsächlich sah manche Bank genauer hin, bevor das Geld an den mittelständischen Kreditnehmer floss. Zu einem Austrocknen bei der Fremdfinanzierung ist es aber nicht gekommen.

Nun macht das Wort seit einiger Zeit wieder von sich reden. Bedeutet das vielleicht, dass es diesmal vielleicht doch noch Ernst wird? Zwei Indizien sprechen dafür. Zum Einen kommt es wieder zum fatalen Mißtrauen unter den Banken, das verhindert, das man einander Liquidität zur Verfügung stellt. Hier muss die EZB aktiv werden. Zum Anderen wirft Basel III seine Schatten voraus. Basel II hatte sich in der Krise als ziemlich stumpfes Schwert erwiesen, jetzt wollen die Aufsichtsbehörden härtere Maßnahmen ergreifen.Dabei geht es vor allem wieder einmal um das Eigenkapital der Banken; die Anforderungen steigen, damit es seine Rolle als Risikopuffer besser ausüben kann.Das harte Kernkapital soll von zwei auf sieben Prozent steigen. Bei den Sparkassen und Volksbanken – sie finanzieren einen großen Teil gerade kleiner und mittlerer Unternehmen – würde dies bedeuten, dass sie 40 – 50 Prozent mehr Eigenkaptial für die ausgereichten Kredite zur Verfügung stellen müssten. Das würde heißen, dass die Institute entweder ihre Kredite markant verteuern würden oder dass man das Kreditvolumen insgesamt zurückfahren müsste.

Muss sich der Handwerk wegen Basel III Sorgen machen? Akut nicht – auf längere Sicht vielleicht schon.Denn es gibt noch andere Risiken in den Büchern der Banken. Staatsanleihen, die bisher als so sicher galten, dass sie von der geforderten EK-Unterlegung nach Basel II nicht betroffen waren. Zwar sind deutsche Banken von “Krisenanleihen” der europäischen Peripherieländer nicht so betroffen. Dennoch könnte der Einbruch der Griechen, das Geständnis der Zahlungsunfähigkeit und eine entsprechend hohe Abschreibung für die Gläubigerbanken, in der Folge auch die Kreditausreichung betreffen.

Die Zeichen stehen nicht auf Sturm, aber gut sieht es nicht aus, was sich für die Kreditvergabe abzeichnet. Und so sollte man nicht aus Angst, die Probleme erst herbeizureden, das Wort von der Kreditklemme vermeiden. Sie wird – wieder einmal – ein Thema werden.

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Europas Wiege, Europas Bahre?

Ende Juli hat der europäische Gipfel zur Schuldenkrise getagt und mit seinen Ergebnissen sind fast alle glücklich. Richtig ist: Nicht nur der drohende Kollaps Griechenlands wurde verhindert, auch die Infektion weiterer Staaten, insbesondere Italiens, ist mit einem Bündel von Maßnahmen abgewendet worden. Die Wirtschafts- und Währungsunion hat gezeigt, dass sie Entscheidungen treffen kann. Dieses Signal von Einigkeit und Entschlossenheit war für die Finanzmärkte, aber auch für die Unternehmen und Bürger wichtig. Zusammengepackt wurden Hilfszahlung von IWF und den Europäern, die Zinsen für zukünftige Hilfskredite wurden gesenkt und die Laufzeiten gestreckt, die privaten Gläubiger, sprich Banken etwa, beteiligen sich und schließlich wird der Rettungsschirm massiv erweitert und durch die ESFS werden auch Anleihen erworben. Eine Erfolgsgeschichte scheint es, blickt man auf die Reaktionen der Märkte: Der Euro wurde teurer, die Kreditsicherungen (CDS) billiger. Bankaktien legten zu.

Problem gelöst? Zunächst ja, auf weite Sicht nein. Ein Vergleich mit der drohenden Insolvenz eines Unternehmens macht die Situation deutlich. Überschuldet und zahlungsunfähig wird es vor dem Gang zum Gericht die Gläubiger und Gesellschafter zusammenrufen und um Hilfe bitten. Diese werden prüfen, ob der Patient zu sanieren ist. Was ist an Substanz da, was ist zukunftsfähig und welchen Aufwand und Verzicht erfordert die Gesundung? Es gilt der Grundsatz, nicht gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen.

Auch Griechenland hat seine Hausaufgaben bekommen. Aber hat der Geldgeber auch tatsächlich geprüft, ob das Land in der Lage ist, diese auch mit annehmbarem Ergebnis zu machen? Ich glaube nicht. Hier wird eine politische Entscheidung getroffen. Es gilt, die Europäische Union zu erhalten, koste es, was es wolle. Würde sie an der Peripherie abbrechen, wäre es über kurz oder lang um sie geschehen. Ein hehres und wohl auch weltwirtschaftlich notwendiges Ziel soll erreicht werden, durch dieses Alle-für-Einen. Am Schluss aber entscheiden Wirtschaft und Markt, ob es zu verwirklichen ist oder ob wir vor einem Scherbenhaufen stehen. Der Insolvenzplan für das Unternehmen Griechenland wurde nur im Ansatz gemacht. Man wollte wohl nicht so genau hinsehen, und das könnte sich rächen.

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Privatinsolvenzen dauerhaft erholt?

Während sich die Insolvenzen bei den Unternehmen im Zeichen des Aufschwungs bereits im letzten Jahr reduziert hatten (von 32.900 Fällen auf rund 32.000 zum Jahresultimo 2010), stiegen die Privatinsolvenzen weiter an. Mit 110.000 Anträgen alleine von Verbrauchern – hinzu kommen noch einmal fast 30.000 betroffene ehemalige Selbständige oder etwa überschuldete Erben – war eine neue Rekordhöhe erreicht worden. Trotz eines stabilen Arbeitsmarktes und sogar gestiegener privater Zuversicht, wie sie in einem verbessertem Konsumklima zum Ausdruck kam, schien der langjährige Trend zu immer mehr privaten Pleiten ungebrochen.

Im ersten Halbjahr 2011 aber kam es zu einer Erholung: 51.000 Konsumenten haben den Weg in die Wohlverhaltensperiode beschritten. Immehin ein Rückgang von mehr als fünf Prozent gegenüber 2010. Ist diese Erholung analog der Situation bei den Unternehmen der wirtschaftlichen Konsolidierung geschuldet?

Es sieht eher so aus, als würde die Erwartung einer weiteren Erleichterung auf dem Weg zur Restschuldbefreiung dafür sorgen, dass es im Halbjahr 2011 zu wenigen Anträgen gekommen ist. Der Hintergrund liegt in einer Reform des Insolvenzrechts, die plant, die Wohlverhaltensperiode zeitlich zu halbieren. Statt wie bisher nach sechs Jahren, können die Schuldner hoffen, bereits nach drei Jahren von ihrer Schuld per Gerichtsbeschluss befreit zu sein. Diese Planung ist Teil des schwarz-gelben Koalitionvertrages, sie wird heute im Bundestag beraten. So lohnt es sich also für den Schuldner mit seinem Antrag zu warten, bis die Erleichterung Gesetzeswirklichkeit geworden ist. Damit mag sich in dieser Lage ein Bauch von Verfahren bilden, die alle von den Antragstellern fest geplant, aber noch nicht auf den Weg gebracht wurden. Danach werden sich die Zahlen bei den Privatinsolvenzen wieder sprunghaft erhöhen. Einen ähnliche Attentismus hatte es schon einmal gegeben bevor die Regelung der “Nullplanlösung” Geltung hatte. Vorher war von vielen Gerichten entschieden worden, dass der völlig mittellose Schuldner, der keinen noch so geringen Beitrag zu seiner Entschuldung gegenüber den Gläubigern leisten konnte, von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen sei. Die Änderung im Hinblick auf die Zulassung auch von Schuldnern, die keinen Cent abzahlen konnten lag in der Luft und die Betroffenen warteten bis sie durchgesetzt war. Folge: Die Zahl der Privatinsolvenzen schwoll wieder deutlich an.

Hoffen wir, dass der aktuelle Rückgang tatsächlich der guten Konjunktur geschuldet ist und nicht der Hoffnung Überschuldeter, mit der Reform bald schneller zu einem wirtschaftlichen Fresh Start zu kommen.

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Eigenkapital stabil – Mittelstand gerettet?

Die große Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 ließ ein massives Anschwellen der Unternehmensinsolvenzen befürchten. Dieser Schock ist nicht eingetreten: Wie der Arbeitsmarkt auch, so blieb  die Unternehmenslandschaft in Deutschland recht stabil.

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Im Inland – und im Ausland auch

Es ist schon fast ein alter Hut: Deutschlands Wirtschaft lebt vom Export. Und was einmal jede dritte Mark war, die auf ausländischen Märkten umgesetzt wurde ist nach zehn Jahren eben jeder dritte Euro. Dass die aktuelle Konjunktur hierzulande wieder so brummt ist einmal mehr dem Absatz unserer Güter in Europa und der fernen Welt zu verdanken, da mögen Konsumlust und Investitionswille des Mittelstandes noch so ihr Scherflein beitragen.

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Handwerk gewinnt goldenen Boden zurück

Die große Wirtschafts- und Finanzkrise war in Deutschland eine Krise der Banken und eine Krise der großen, exportorientierten Industrieunternehmen (jetzt ist sie für uns eine Subventionskrise im Rahmen der Eurozone geworden). Binnenwirtschaftlich aber können wir uns einen Rückblick im Glück erlauben. Die Auftragseingänge bei unseren industriellen Zugpferden, bei den Automobilen und im Maschinenbau etwa, kommen wieder herein. Unsere Exporte in die Schwellenländer sind wieder zu alter Stärke gediehen. Ohne jede Überheblichkeit gegenüber unseren europäischen Nachbarn bleibt doch festzuhalten, dass es die Tugenden sind, die Deutschlands Mittelstand verkörpert, die uns so schnell wieder auf die Erfolgsspur brachten. Weiterlesen

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Frauen im Mittelstand

Von Frauen in Führungspositionen ist viel die Rede. Keine Frage – Frauen sind nicht in der Zahl unter den Führungskräften anzutreffen wie es ihrer Bildung und Kompetenz entspricht. Dabei fällt der Blick auf Frauen in Bundesparlamenten oder Konzernvorständen, weniger auf die darunterliegenden Führungsetagen. Die Creditreform Wirtschaftsforschung wollte deshalb wissen, wie es mit der Verteilung in den Toppositionen des Mittelstandes aussieht. Weiterlesen

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