Frauen im Mittelstand

Von Frauen in Führungspositionen ist viel die Rede. Keine Frage – Frauen sind nicht in der Zahl unter den Führungskräften anzutreffen wie es ihrer Bildung und Kompetenz entspricht. Dabei fällt der Blick auf Frauen in Bundesparlamenten oder Konzernvorständen, weniger auf die darunterliegenden Führungsetagen. Die Creditreform Wirtschaftsforschung wollte deshalb wissen, wie es mit der Verteilung in den Toppositionen des Mittelstandes aussieht.

Tatsächlich wird der Mittelstand als das Herzstück der Wirtschaft bezeichnet, sind doch zwei Drittel der Arbeitsplätze hier zu finden. Die Angaben zum Mittelstand beruhen auf mehr als 355.000 repräsentativ ausgewählten Unternehmen in der Creditreform Datenbank mit einer Bilanzsumme von bis zu 43 Millionen Euro laut KMU-Definition der Europäischen Kommission. Unternehmen dieser Größenklasse sind meist inhabergeführt bzw. Familienunternehmen und verfügen selten über angestellte Manager.

In Abgrenzung zu Großunternehmen wird der deutsche Mittelstand demnach häufiger von einer Frau geführt. So weisen Unternehmen mit einer Bilanzsumme von über 1 Milliarde € noch einen geringeren Frauenanteil in der obersten Führungsriege auf. Nur in 13,9 Prozent dieser Unternehmen ist eine Frau im Top-Management vertreten. Unter den DAX Unternehmen ist das sogar nur bei drei von 30 Unternehmen der Fall. Entscheicdend ist. dass die Betriebe des Mittelstandes mit sinkender Größe eher Frauen in Führungspositionen beschäftigen.

Während in 19,9 Prozent der kleinen Unternehmen mit einer Bilanzsumme von bis zu 0,5 Millionen Euro eine Frau im Management vertreten ist, ist das bei größeren Mittelständlern mit einer Bilanzsumme zwischen zehn und 43 Millionen Euro nur bei jedem sechsten Unternehmen (16,2 Prozent) der Fall. Dabei ist noch anzumerken, dass die Führungsriege in mittelständischen Betrieben deutlich kleiner als im Konzern ist. Frauen haben also hier einen größeren Handlungsspielraum. Und noch etwas spielt für den stärkeren Einfluss der Frauen auf die Unternehmensgeschicke im Mittelstand eine Rolle: Vielfach sind sie die Gründerinnen oder Inhaberinnen und haben damit die Verantwortung für die Existenz des Unternehmens im Ganzen.

Weniger überraschend als die größeren Chancen im Mittelstand sind die  Branchen, in denen Frauen das Sagen haben. Hier ist doch immer noch in vielen Fällen das tradionell geprägte Beschäftigungsfeld vorherrschend.

Unterteilt nach Wirtschaftsbereichen sind weibliche Führungskräfte in mittelständischen Betrieben am stärksten vertreten in den Bereichen Gesundheit und Sozialwesen (35,8 Prozent der Unternehmen) gefolgt von Erziehung und Unterricht (30,4 Prozent) sowie Gastgewerbe (30,2 Prozent) und Land- und Forstwirtschaft (29,1 Prozent). Am wenigsten finden sich Frauen in den Führungsriegen deutscher Mittelständler in den Bereichen Energiewirtschaft (9,8 Prozent der Unternehmen), im Baugewerbe (12,1 Prozent) sowie in der Informations- und Kommunikationstechnik (14,9 Prozent).

Über Frauenquoten in Großunternehmen ist nachzudenken, im Mittelstand sind Frauen bereits in vielen Bereichen maßgeblich – und sei es, dass sie aufgrund mangelnder Möglichkeiten den Weg zur selbständigen Unternehmerin gegangen sind.

4 Gedanken zu „Frauen im Mittelstand

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