Privatinsolvenzen dauerhaft erholt?

Während sich die Insolvenzen bei den Unternehmen im Zeichen des Aufschwungs bereits im letzten Jahr reduziert hatten (von 32.900 Fällen auf rund 32.000 zum Jahresultimo 2010), stiegen die Privatinsolvenzen weiter an. Mit 110.000 Anträgen alleine von Verbrauchern – hinzu kommen noch einmal fast 30.000 betroffene ehemalige Selbständige oder etwa überschuldete Erben – war eine neue Rekordhöhe erreicht worden. Trotz eines stabilen Arbeitsmarktes und sogar gestiegener privater Zuversicht, wie sie in einem verbessertem Konsumklima zum Ausdruck kam, schien der langjährige Trend zu immer mehr privaten Pleiten ungebrochen.

Im ersten Halbjahr 2011 aber kam es zu einer Erholung: 51.000 Konsumenten haben den Weg in die Wohlverhaltensperiode beschritten. Immehin ein Rückgang von mehr als fünf Prozent gegenüber 2010. Ist diese Erholung analog der Situation bei den Unternehmen der wirtschaftlichen Konsolidierung geschuldet?

Es sieht eher so aus, als würde die Erwartung einer weiteren Erleichterung auf dem Weg zur Restschuldbefreiung dafür sorgen, dass es im Halbjahr 2011 zu wenigen Anträgen gekommen ist. Der Hintergrund liegt in einer Reform des Insolvenzrechts, die plant, die Wohlverhaltensperiode zeitlich zu halbieren. Statt wie bisher nach sechs Jahren, können die Schuldner hoffen, bereits nach drei Jahren von ihrer Schuld per Gerichtsbeschluss befreit zu sein. Diese Planung ist Teil des schwarz-gelben Koalitionvertrages, sie wird heute im Bundestag beraten. So lohnt es sich also für den Schuldner mit seinem Antrag zu warten, bis die Erleichterung Gesetzeswirklichkeit geworden ist. Damit mag sich in dieser Lage ein Bauch von Verfahren bilden, die alle von den Antragstellern fest geplant, aber noch nicht auf den Weg gebracht wurden. Danach werden sich die Zahlen bei den Privatinsolvenzen wieder sprunghaft erhöhen. Einen ähnliche Attentismus hatte es schon einmal gegeben bevor die Regelung der “Nullplanlösung” Geltung hatte. Vorher war von vielen Gerichten entschieden worden, dass der völlig mittellose Schuldner, der keinen noch so geringen Beitrag zu seiner Entschuldung gegenüber den Gläubigern leisten konnte, von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen sei. Die Änderung im Hinblick auf die Zulassung auch von Schuldnern, die keinen Cent abzahlen konnten lag in der Luft und die Betroffenen warteten bis sie durchgesetzt war. Folge: Die Zahl der Privatinsolvenzen schwoll wieder deutlich an.

Hoffen wir, dass der aktuelle Rückgang tatsächlich der guten Konjunktur geschuldet ist und nicht der Hoffnung Überschuldeter, mit der Reform bald schneller zu einem wirtschaftlichen Fresh Start zu kommen.