Eine recht zuverlässige Methode, das Aufkommen einer Rezession vorherzusagen, besteht darin, das Wort “Rezession” in den Medien zu zählen. Je häufiger das R-Wort erscheint, um so wahrscheinlicher, dass der Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Outputs Wirklichkeit wird. Wer aufmerksamer Leser von Wirtschaftszeitungen, sei es Print oder elektronisch, ist, findet ein Wort wieder, dass gehäuft vor zwei bis drei Jahren die Runde machte. Das aus dem amerikanischen stammende Credircrunch, die Kreditklemme. Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise, nachdem Lehman gefallen war und einige deutsche Institute nur mit viel Geld und dem beherzten Eingreifen der Regierung aufrecht gehalten wurden, hatte man befürchtet, dass die Kreditvergabe, insbesondere an Unternehmen, akut gefährdet sei. Dazu ist es nicht gekommen. Klagen gab es von Unternehmerseite dennoch, und tatsächlich sah manche Bank genauer hin, bevor das Geld an den mittelständischen Kreditnehmer floss. Zu einem Austrocknen bei der Fremdfinanzierung ist es aber nicht gekommen.
Nun macht das Wort seit einiger Zeit wieder von sich reden. Bedeutet das vielleicht, dass es diesmal vielleicht doch noch Ernst wird? Zwei Indizien sprechen dafür. Zum Einen kommt es wieder zum fatalen Mißtrauen unter den Banken, das verhindert, das man einander Liquidität zur Verfügung stellt. Hier muss die EZB aktiv werden. Zum Anderen wirft Basel III seine Schatten voraus. Basel II hatte sich in der Krise als ziemlich stumpfes Schwert erwiesen, jetzt wollen die Aufsichtsbehörden härtere Maßnahmen ergreifen.Dabei geht es vor allem wieder einmal um das Eigenkapital der Banken; die Anforderungen steigen, damit es seine Rolle als Risikopuffer besser ausüben kann.Das harte Kernkapital soll von zwei auf sieben Prozent steigen. Bei den Sparkassen und Volksbanken – sie finanzieren einen großen Teil gerade kleiner und mittlerer Unternehmen – würde dies bedeuten, dass sie 40 – 50 Prozent mehr Eigenkaptial für die ausgereichten Kredite zur Verfügung stellen müssten. Das würde heißen, dass die Institute entweder ihre Kredite markant verteuern würden oder dass man das Kreditvolumen insgesamt zurückfahren müsste.
Muss sich der Handwerk wegen Basel III Sorgen machen? Akut nicht – auf längere Sicht vielleicht schon.Denn es gibt noch andere Risiken in den Büchern der Banken. Staatsanleihen, die bisher als so sicher galten, dass sie von der geforderten EK-Unterlegung nach Basel II nicht betroffen waren. Zwar sind deutsche Banken von “Krisenanleihen” der europäischen Peripherieländer nicht so betroffen. Dennoch könnte der Einbruch der Griechen, das Geständnis der Zahlungsunfähigkeit und eine entsprechend hohe Abschreibung für die Gläubigerbanken, in der Folge auch die Kreditausreichung betreffen.
Die Zeichen stehen nicht auf Sturm, aber gut sieht es nicht aus, was sich für die Kreditvergabe abzeichnet. Und so sollte man nicht aus Angst, die Probleme erst herbeizureden, das Wort von der Kreditklemme vermeiden. Sie wird – wieder einmal – ein Thema werden.
"CR Intern" ist das Blog von Michael Bretz, Mitglied der Geschäftsleitung des Verbandes der Vereine Creditreform, und verantwortlich für die Unternehmenskommunikation und Wirtschaftforschung.