Der Mittelstand gibt ein Beispiel

Da mag die Zahl der Staaten, die am Rande der Zahlungsunfähigkeit balancieren, noch so zunehmen. Deutschland ist nicht nur auf Länderebene ein Beispiel der Stabilität, auch seine Unternehmen haben sich 2011 noch gefestigter gezeigt als im Vorjahr. Hatten 2010 mehr als 32.000 Betriebe Insolvenz melden müssen, so sind es zum Ende des laufenden Jahres noch 30.200. Ein Rückgang von 5,8 Prozent. Gegenläufig zur Verschuldungskrise hatte Deutschland bei seinen Betrieben schon 2010 eine Erholung bei den Firmenpleiten um fast drei Prozent registriert. Große Unternehmenszusammenbrüche zum Jahresende 2011 ließen zwar manche Beobachter noch einmal zucken, dennoch dürften Manroland und TelDaFax Ausreißer in einem nach wie vor mittelständisch bestimmten Insolvenzgeschehen darstellen.

Wie kommt es zu dieser erfreulichen Entwicklung? Zwei Ursachenfelder sind bestimmend: Zum Einen die konjunkturelle Erholung, zum Anderen die Finanzsituation der kleinen und mittleren Betriebe. Zur guten Konjunktur ist wenig zu sagen, die Fakten sind bekannt: Eine kräftige Exportzunahme aus dem steilen Absturz heraus, ein stabiler Arbeitsmarkt und eine zumindest solide Binnenkonjunktur tragen auch in diesem Jahr wesentlich zum Wachstum bei.

Weniger bekannt ist die verbesserte Finanzierungssituation der Unternehmen. Zunächst ein Blick auf die Fremdfinanzierung. Laut ifo liegt die Hürde für Unternehmen beim Kredit weiterhin sehr niedrig. Die KfW schließt sich dem an, wenn sie davon spricht, dass keine Indizien für Beschränkungen auf der Angebotsseite des Kreditmarktes vorlägen. Anzumerken bleibt, dass das Volumen ausgereichter Kredite noch um vier Prozent unter den Vorjahreswerten liegt.

Wirft man einen weiteren Blick auf die gute Entwicklung, die Leasing und Factoring 2011 genommen haben, dann zeigt sich, was den Unternehmern besonders wichtig war: Die Schaffung von Liquidität. Deutlich wird dies beim Zahlungsverhalten, ist doch die zügige Realisierung der Außenstände das wichigste Mittel, um flüssig zu bleiben. Dazu nur eine Zahl: Der Anteil der Unternehmen, die berichten, mehr als ein Prozent der Forderungen verloren zu haben, hat von 11,1 auf 8,9 Prozent abgenommen. Kern der Bonität ist aber neben der Optimierung des Working Capital das Eigenkapital. War jahrelang die Rede von der Eigenkapitallücke des deutschen Mittelstandes, so erscheinen nun – ganz unbeeindruckt von der Krise – markante Änderungen. Gegenüber dem Jahr 2002 hat sich der Anteil der Unternehmen, die eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent aufweisen, um mehr als zehn Prozentpunkte von 16,6 auf 28,7 Prozent erhöht. Und noch eine drittes zentrales Element der Innenfinazierung sei aufgezählt. Die Ertragslage hat sich verbessert. Eine aktuelle Befragung von Creditreform im Herbst ergibt, dass nur 18 Prozent eine Abschwächung der Erträge hinzunehmen hatten (Vorjahr 22,6 Prozent). Fast ein Drittel setzt auf steigende Gewinne.

Fazit: Deutschlands Mittelstand hat aus der Krise, der vergangenen wie der aktuellen, schnell gelernt. Sein Credo lautet: Hilf dir selbst! Die Unternehmer setzen auf die Innenfinazierung. Kein schlechter Weg für die Zahlungsfähigkeit, wenn man diese Philosophie im Kontext einer europäischen Krise sieht, die durch eine unendliche Schuldenlast geprägt ist.

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