Gespenster überall

Der erste Satz des kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels lautet: “Es geht ein Gespenst um in Europa – das Gespenst des Kommunismus”. Dieses Zitat gilt es abzuwandeln. In Europa geht mehr als 160 Jahre später ein anderes Gespenst um, das auch eine Bedrohung des Kapitalismus ist: Das Gespenst der Pleite. Ganz im Sinne unserer rechtlichen Definition von Insolvenz sind einige Staaten im Süden des Kontinents überschuldet, ja es droht, wenn nicht weiter Schulden übertragen und Garantien gemacht werden, manchem Land die Zahlungsunfähigkeit. Aber kann ein Staat überhaupt insolvent werden? Schließlich kann er in seiner Souveränität auch über seine Zahlungsmittel bestimmen, die Gelddruckereien sind in seiner Hand. Fragt sich nur, ob seine Gläubiger im Ausland, ebenfalls souveräne Staaten oder Institutionen dann noch bereit sind, diese papierne Währung zu akzeptieren. Opfer dieser Politik werden die Einwohner des Landes, denn sie müssen mit diesem Geld leben. Sie werden enteignet, weil ihr Kapital, ihre Ersparnisse nichts mehr wert sind.

Die Schatten dieses Geschehens, die Gespenster der Pleite, treffen nicht nur die europäischen Länder und Ihre Banken, sondern auch die Unternehmen. Die Krise verunsichert, sie schafft Ängste. Rette sich wer kann, wird dann zum Gebot der Stunde. Der Rettungsschirm für den Bürger wird dann der Sachwert, die Immobilienpreise in den Wohngebieten der Stadtzentren sind gegenüber dem Vorjahr um zweistellige Prozentwerte gestiegen.

Ein weiteres Indiz fortschreitender Verunsicherung zeichnet sich bei den Unternehmensinsolvenzen ab. Um knapp ein Prozent sind sie gewachsen, auf rund 15200 Fälle gegenüber 15100 Betroffenen im ersten Halbjahr des Vorjahres. Sicher kein dramatischer Anstieg. Dennoch bleibt ein Unbehagen, weil sich hier eine Trendumkehr andeutet. Im ersten Halbjahr 2011 waren die Unternehmensinsolvenzen noch um mehr als zehn Prozent rückläufig, im Gesamtjahr 2011 nur noch um knapp sechs Prozent.

Getrieben wird das Geschehen von den Pleiten im Teriärsektor. Vor allem der Handel, insbesondere der Großhandel weist starke Steigerungen auf (+ sieben Prozent). Schlecker, sicher die spektakulärste Großpleite in diesem Jahr, ist da nur die Spitze des Eisbergs. Auffällig auch, dass es stärker größere Unternehmen trifft. Die Zahl der Großinsolvenzen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. Euro ist um ein Drittel gestiegen. Eine Entwicklung, die sich auch bei den Beschäftigtengößenklassen zeigt – Unternehmen mit mehr als hundert Mitarbeitern haben ebenso zugelegt wie die Zahl der Aktiengesellschaften. Stabil bleiben Industrie und Bau, beide immer noch weitgehend im grünen Bereich der Konjunktur unterwegs, wenn sie nicht zur Solar- oder Automobilzuliefererbranche gehören.

Die Unternehmen geraten von zwei Seiten in die Bredouille. Auf der einen Seite steht die konjunkturelle Abschwächung, auf der anderen Seite die Zurückhaltung bei den Finanziers. Ob auf dem Kapitalmarkt oder bei den Banken, die Krise verengt die Handlunsspielräume.

Gespenster vermehren sich. Sie sind nicht mehr nur bei den Staaten in der Währungsunion, sondern auch schon bei den Unternehmen im, ach so soliden Deutschland unterwegs. Höchste Zeit für eine Geisteraustreibung.

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