Schuldenkrise bei Konsumenten

Die Ansicht, dass man für seine Schulden einzustehen habe, wird im Zuge der europäischen Krise ausgehöhlt. Banken können für ihre Engagements nicht mehr gerade stehen? Der Steuerzahler kommt für die Schulden auf. Staaten drohen ihre Anleihen nicht mehr bedienen und nicht mehr absetzen zu können? Die EZB kauft auf, Rettungsschirme werden aufgespannt. Ein Verbraucher hat sich finanziell übernommen? Ein großzügiger Schuldenschnitt ist möglich, nach einer “Wohlverhaltensperiode” von drei Jahren sind die Schulden erlassen.

Tatsächlich sieht die Reform der Insolvenzordnung in der nächsten Stufe vor, dass der Schuldner innerhalb von drei Jahren von seinen Schulden befreit ist, wenn er 25 Prozent seiner Schulden in dieser Zeit begleicht. Dass der Gläubiger entsprechend zu verzichten hat, spielt keine Rolle, obwohl der Grundsatz der Gläubigerbefriedigung nach wie vor an erster Stelle der Ziele eines Insolvenzverfahrens steht. Und dabei werden sogar noch geringere Quoten bis zur Nullquote diskutiert.

Diese Erleichterungen werden Auswirkungen auf das Schuldnerverhalten haben. Das beginnt beim außergerichtlichen Einigungsverfahren zwischen Schuldner und Gläubiger. Quoten von fünfzig Prozent waren nach Aussagen der Kreditbanken die Regel, in Zukunft wird keine Schuldner mehr bereit sein, mehr als ein
Viertel zu begleichen. Kritischer aber noch wird sein, dass gerade bei Barkrediten es schon sehr verlockend ist, gleichsam Dreiviertel der aufgenommenen Summe geschenkt zu bekommen. Der “zurückgelegte” Rest dient dann der Entschuldung.

Apropos “Restschuldbefreiung”. Angesichts der Höhe des Erlasses kann von einem Rest wohl kaum die Rede sein, hier wird von der Hauptschuld befreit. Und wenn schon von der Terminologie im Zusammenhang mit der Insolvenzordnung die Rede ist. Warum ist ein Zeitraum, in dem ein Schuldner endlich das tut, was eigentlich zu erwarten wäre, nämlich seine Schulden zu begleichen, eine Wohlverhaltensperiode, die es zu belohnen gilt?

Es war einmal daran gedacht worden, die entsprechenden Vorteile, die jetzt für alle natürlichen Personen gelten sollen, nur für Unternehmensgründer bereitzustellen. Es gab jedoch im Hinblick auf den verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatzgrundsatz Bedenken. Dabei wären bei einer fehlgeschlagenen Existenzgründung tatsächlich gute Gründe gegeben, einen Teil der Schulden zu erlassen, um eine schnellere Rückkehr ins Wirtschaftsleben zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang spielte auch das Argument eine Rolle, dass ja auch bei einem Verbraucher der frische Start ins Erwerbsleben zu einem allgemein volkswirtschaftlichen Vorteil durch neuen Verdienst und neuen Konsum führe. Dabei gilt es aber festzuhalten, dass auf der anderen Seite komplementär der gesamtökonomische Schaden durch Verluste beim Gläubiger zu sehen ist. Das führt auch dazu, dass auf dieser Seite vorsichtiger agiert wird, gerade weil man nun stärker von Verlusten betroffen sein wird.

Mit der Kalkulierbarkeit der Zeiträume und Zahlungen auf dem Weg zur Restschuldbefreiung wird ein weiterer Weg beschritten, der die Zahlungsmoral des Schulders erodieren lassen wird. Mit den Folgen für Schuldner und Gläubiger, wie Sie uns die europäische Schuldenkrise täglich in ihrer Ausweglosigkeit vorführt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>