Eigenkapitallücke war gestern

Immer wenn von der Finanzierung mittelständischer Unternehmen die Rede war, kam die „Eigenkapitallücke des deutschen Mittelstands“ zur Sprache. Bilanzanalysen und Befragungen hätten ergeben, dass die kleinen und mittleren Unternehmen nicht nur im Vergleich mit den großen Playern, sondern auch im internationalen Vergleich schlecht abschnitten. Dass man da Äpfel mit Birnen verglich, unterschiedliche Bilanzvorschriften und Finanzierungsbedingungen nicht beachtete, schien niemanden zu stören. Lesen Sie hierzu meinen “Standpunkt” aus der Mai-Ausgabe des Creditreform Magazins, die sich dem Themenschwerpunkt Unternehmensfinanzierung widment.

Wie bei jeder Legende gab es auch bei den Klagen zur Eigenkapitallücke durchaus einen wahren Kern: Empirisch festzustellen war, dass tatsächlich Betriebe mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital deutlich insolvenzanfälliger waren. Wer mehr als 30 Prozent vorhielt, war dagegen von der Pleite kaum betroffen. Leider war nun fast ein Drittel der KMU  unter der Grenze von zehn Prozent EK-Quote zu finden – die soliden aber hatten nur einen Anteil von einem Fünftel.

Das hat sich jetzt geändert! Unsere Frühjahrsumfrage zeigt: Zum ersten Mal ist der Anteil von Mittelständlern mit starker Eigenkapitalquote höher (32,8 Prozent) als der derjenigen mit einer schwachen unter zehn Prozent (28,3 Prozent). Und die Entwicklung der Anteile seit 2005 zeigt eine kontinuierliche Verbesserung seit dem negativen Gipfel von 37 Prozent schwacher Finanzierung und 22,1 Prozent guter Eigenkapitalausstattung.

Sie sehen: Eine Erfolgsgeschichte hat der Mittelstand geschrieben, die hoffentlich ihre Fortsetzung findet …

Ein Gedanke zu „Eigenkapitallücke war gestern

  1. Kremer Friedhelm

    Eine gute Entwicklung, die teilweise der finanzwirtschaftlichen Neubesinnung nach der Krise 2009/2010 geschuldet ist, aber vielleicht auch der verstärkten Bilanzierung nach dem BilMoG ab 2010 mit den Möglichkeiten der verbesserten Eigenkapitalbildung und eventuell der Verbesserung der Gesamtfinanzierung im Rahmen einer strukturierten Finanzierung des Unternehmens.
    Dies ist auch eine gute Nachricht für die Unternehmen, die im Rahmen einer Nachfolgeregelung entweder mit stabilen EK-Quoten im Familenbesitz bleiben oder verkauft werden und damit u.U. ihren Erlös aus dem Verkauf verbessern können, falls das Geschäftsmodell im Sinne eines Going Conern zukunftsträchtig ist.

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