Ernüchterung in China

Die Börsen im Reich der Mitte sind um 40 Prozent eingebrochen, weltweit sind andere Börsenbarometer – unter anderem der Deutsche Aktienindex – dem Weg nach unten gefolgt. Dann kam die Entwarnung, die Kurse erholten sich wieder. Geblieben ist Unsicherheit, denn der Einbruch war doch zu stark, als dass man wieder achselzuckend zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Ist China – immerhin inzwischen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde – wirklich der Wachstumstreiber, den die Investoren in ihm sehen?

Chinas Börse korrigiertWie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte: So sind etwa die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt wohl von Regierungsseite geschönt. Experten halten ein Wachstum von  drei bis vier Prozent für realistischer als die angegebenen mehr als sieben Prozent. Aber selbst mit diesem Output ist China mit deutlich mehr als einem Zehntel an der weltweiten Produktion von Waren und Dienstleistungen beteiligt. Und wirtschaftlich ein Riese, der alle Mühen lohnt.

Aber die Angst um die Entwicklung in China ist im weiteren internationalen Kontext zu sehen, Stichwort: BRIC (S – von manchen wird Südafrika dazugezählt). Brechen jetzt auch diese Schwellenländer ein, die schon aufgrund ihrer Größe und des Reformwillens ihrer Regierungen so viel Hoffnung machten? China fragt ihre Rohstoffe weniger nach, es gelingt ihnen nicht, einen Binnenmarkt zu etablieren, und ihre Regierungschefs erweisen sich als verhaftet in alten Strukturen mit entsprechender Klientelpolitik.

Warum leiden die Rohstoffpreise – und was hat das mit dem Zinsniveau zu tun?

Daraus entsteht Ernüchterung. Die Rallye der vergangenen Jahre, die Träume genährt hat von billigem Geld und dem Aufbruch der Emerging Markets, nähert sich dem Ende. Vor allem, wenn die US-Notenbank Fed jetzt doch wie angekündigt den ersten Zinsschritt wagen sollte. Investoren würden ihr Kapital in die USA umleiten und der Niedergang würde beschleunigt. Genau diese Zinserhöhung ist aber nicht sicher. Und Autos werden sich in China weiterhin verkaufen lassen – wenn auch wohl nicht mehr mit solchen Zuwächsen wie bisher.

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