Krise hier, Krise da

Die Flüchtlingskrise verdeutlicht es noch einmal: Der Zusammenhalt in Europa ist schwächer, als mancher geglaubt hat. Dabei ist zu fragen, ob es ihrer noch bedurft hat. Machte doch die andauernde Eurokrise schon klar, wie groß die Unterschiede auf dem kleinen Kontinent sind.

 

Und diese wachsen noch: Von den weiterhin schwächelnden Volkswirtschaften (ist der Ausdruck noch korrekt?) schwappt es in die Politik und von dort wieder zurück in Wirtschaft und Gesellschaft. Regierungen werden abgewählt und durch Linkspolitiker ersetzt, die den Reformkurs verlassen. Oder es kommt das rechte Lager zu Einfluss und schließt die Grenzen. Gemeinsame europäische Lösungen – und die sind im Hinblick auf Finanzen und Flüchtlinge dringend erforderlich – werden zwar öfter eingefordert, doch seltener umgesetzt. Das Wort Krise bezeichnet eine Situation, in der sich ein Verlauf zuspitzt und entscheidet. Sie wird schließlich, wenn die Weichen richtig gestellt wurden, überwunden oder sie nimmt den Weg in den Abgrund.

BIP pro Kopf in ausgewählten EU-Staaten

BIP pro Kopf in ausgewählten EU-Staaten. Bitte klicken zum Vergrößern.
(c) Creditreform-Magazin 3/16

Die Krise des Patienten macht es deutlich: Die Symptome verstärken sich – und wenn jetzt nicht geholfen wird, stirbt der Leidende. Oder er gesundet, weil die Maßnahmen die richtigen waren. Was sicher nicht geht, ist, die Krise auszusitzen: mit einer Niedrigzinspolitik „Zeit zu kaufen“ und sich bei der Frage nach den Einwanderern nicht auf Grenzen festlegen zu wollen. In der europäischen Krise besteht akuter Handlungsbedarf, es muss etwas geschehen, will man die Erosion nicht hinnehmen und Europa wieder und weiter zusammenführen. Eine Krise als Dauerzustand – das geht nicht.

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