Insolvenzen – und keine europäische Einheit

Europa befindet sich im Krisenmodus. Ein Ende ist nicht abzusehen. Bis auf Weiteres also keine guten Nachrichten aus Europa?

Die Creditreform-Analyse der europäischen Insolvenzlage, die wir seit einem Vierteljahrhundert  durchführen, zeigt einige gute Zahlen. Die Pleiten der Unternehmen haben abgenommen: Waren 2014 noch 182.000 Insolvenzen gemeldet worden, so sind 2015 rund 175.000 Zusammenbrüche zu registrieren. Ein deutlicher Rückgang auf den besten Wert seit fünf Jahren.

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Und eine Auswertung der Bilanzen westeuropäischer Unternehmen zeigt, dass diese noch stabiler geworden sind. So weisen 32 Prozent der Betriebe eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent aus und 15 Prozent eine EBIT-Marge von mehr als 25 Prozent. Erzählt die private Wirtschaft im Westen Europas also eine Erfolgsgeschichte?

Das muss leider für Europa insgesamt offen bleiben. Denn die Zahlen der einzelnen Länder sind nur schwer vergleichbar. Das Insolvenzgeschehen bildet meist nur einen Bruchteil aller Unternehmensliquidationen ab. In vielen Ländern werden insbesondere Kleinstunternehmen bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten oftmals ohne ein reguläres Insolvenzverfahren gelöscht.

Unterschiedlich ist auch die Handhabung von Selbstständigen in der Insolvenzstatistik. Teilweise fließen diese nicht mit in die Statistik der Unternehmensinsolvenzen ein, sondern
werden als Privatinsolvenz ausgewiesen. In anderen Fällen werden Selbstständige in der Insolvenzstatistik ausgewiesen, dann aber nur ab einer bestimmten Gläubigerzahl. Insgesamt ist davon auszugehen, dass gerade Kleinstkonkurse von selbstständig Tätigen als unternehmerische Insolvenzverfahren untererfasst sind.

Wo bleiben endlich ein einheitliches europäisches Insolvenzrecht und eine Statistik, die Vergleiche der Unternehmenslandschaft erlauben?

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