Potemkinsche Dörfer

Fürst Potemkin sollte Neurussland entwickeln. Als seine Dienstherrin, die Zarin Katharina die  Große, sich seine Erfolge ansehen wollte, stellte er bemalte Fassaden von Häusern auf, um blühende Dörfer vorzugaukeln. Wer heute durch die Metropolen des Geldes fährt, der sieht eine Skyline, die geprägt ist von den Türmen der Finanzdienstleister, der Banken und Versicherungen. Frankfurt, Sitz der EZB und der großen deutschen Geschäftsbanken, ist ein markantes Beispiel für die bauliche Größe und den Glanz dieser Häuser. Auch hier nichts als schöne Fassaden? 

Die Banken stecken in einer tiefen Krise. Ausgelöst durch den Crash von 2008 und zunächst gerettet, sehen sie sich jetzt in die Zange genommen von Niedrigzinsen, ja, Strafzinsen, von Regularien und Vorgaben. Und schließlich von der Digitalisierung, die ein völlig neues Marktumfeld mit neuen Wettbewerbern schafft. Von Fusionen ist die Rede und von Trennungen , so bei Deutschlands größtem Institut.

Zum Vergrößern klicken. (c) Creditreform-Magazin 10-16

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Womit kann die Bank noch Geld verdienen? Sichere Anlagen hat die EZB bereits gekauft, Unternehmensanleihen erster Adressen bieten lediglich eine Rendite mit einer Null vor dem Komma. Und das klassische Kreditgeschäft? Die Unternehmen fragen wenig nach. Und wer will sich auf Verbraucher und ihren Konsum stützen? Bei Immobilienkrediten aber werden die ersten Sicherheitslinien eingezogen, weil man zu Recht fürchtet, dass sich mancher private Bauherr bei der Finanzierung übernehmen könnte.

Da bleiben nur riskantere Anlagen. Die aber sind teuer, was das verlangte Sicherheitspolster betrifft – und werden noch dazu ebenfalls von den Zentralbanken weggekauft. Japans Zentralbank steigt bei Aktien ein, Spaniens Zentralbank übernimmt Unternehmensanleihen auf Ramschniveau oder knapp darüber.

Die Lösung? Immer mehr billiges Geld in den Markt werfen? Auf den großen Aufschwung offen, der alles wieder ins Gleis bringt? Immerhin: Wie man heute weiß, ist die Geschichte von Fürst Potemkin eine Erfindung von Intriganten gewesen. Vielleicht ist ja doch alles nicht nur Fassade.

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