Hairforce One

Zunächst stand noch die Beschwichtigung im Vordergrund. Man sollte erst einmal abwarten, hieß es, der neue Präsident sei politisch ein unbeschriebenes Blatt.

 

Trotz einer selten zuvor  gesehenen Stärke seiner republikanischen Partei im Kongress und im Obersten Gericht würden die Institutionen der ältesten neuzeitlichen Demokratie schon sein Handeln in die richtigen Bahnen lenken, so die Hoffnung. Allein die Würde des Amtes könnte Ausgleich und Zurückhaltung bei manchem schaffen, was Temperament und Persönlichkeit im vorausgehenden Wahlkampf und in seinem Geschäftsgebaren vielleicht befürchten ließen.

Dieses Appeasement kann als beendet erklärt werden. In kürzester Zeit hat das Staatsoberhaupt in den USA damit begonnen, die Reformen seines Vorgängers zu kippen und Neues, wenn nicht per Erlass schon sofort einzuführen, so doch zumindest anzukündigen. Und diese Ankündigungen sind glaubhaft. Und sie sind gefährlich. Der Handel mit den USA ist für uns als Exportnation lebenswichtig, die Autoindustrie ist dabei nur der sichtbarste Bereich.

Deutsche Exporte in die USA (c) Creditreform-Magazin 3-17

 

Fusionen und M&A werden hintertrieben oder nicht erlaubt, von Strafzöllen ist die Rede für die,  die nicht im Lande produzieren wollen, die Bankenaufsicht soll entschärft werden. Manches  mag in den USA zunächst für Auftrieb sorgen, die Kreditvergabe wird erleichtert und Wettbewerbern das Leben schwer gemacht.

Aber Protektionismus wird mit Protektionismus beantwortet werden und der Schaden wird für alle Beteiligten gleichermaßen zu spüren sein. Es mag im New Yorker Immobilien- und Kasinomarkt möglich sein, mit einer aggressiven Rücksichtslosigkeit zu Erfolgen zu kommen. Mit dieser Haltung aber ist kein Staat zu machen.

Deutschland und Europa werden sich neu aufstellen müssen, um die richtigen Antworten geben zu können. Dann hätte der US-Wahlausgang doch noch sein Gutes: Bewegung käme in den europäischen Binnenmarkt – und die Eurosklerose, die zu so viel Verdruss führte, würde aufgebrochen.

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