Königsweg Deregulierung?

Das Handwerk in Deutschland – das ist eine weltweit einmalige Mischung aus Tradition und Moderne, aus sozialer Sicherung und wirtschaftlichem wie technischem Fortschritt.

Das Handwerk in Deutschland – das ist eine weltweit einmalige Mischung aus Tradition und Moderne, aus sozialer Sicherung und wirtschaftlichem wie technischem Fortschritt. Im Handwerk erreicht ein Gedanke des Mittelstands seine stärkste Ausprägung: das unternehmerische Handeln in Selbstverantwortung unter Einbeziehung von Familie und Mitarbeitern. Dazu kommt über den Mittelstand hinaus noch eine tiefe Verwurzelung in der Tradition. Sowohl in der Historie der Handwerksberufe als auch im Bewahren seiner Institutionen und Regeln ist das Handwerk in einem guten Sinne „konservativ“.

Das stößt manchem auf – und Wider­stände gibt es nicht nur hierzulande. Die EU-Kommission hat jetzt ihr sogenanntes Binnenmarktpaket vorgelegt. Es enthält ­einen Richtlinienvorschlag zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit von Berufsreglementierungen. Tatsächlich bestehen in 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union insgesamt rund 5.600 reglementierte Berufe, für deren Ausübung der Besitz einer bestimmten Berufsqualifikation durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften vorgeschrieben ist – etwa ein Meisterabschluss. Allerdings liegt Deutschland mit 149 reglementierten Berufen, darunter 41 Handwerksberufe, deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 200. Aufgrund makroökonomischer Betrachtungen vertritt die Europäische Kommission die Auffassung, eine Deregulierung würde zu mehr Wachstum und Beschäftigung führen.

Welche gesamtwirtschaftlichen Perspektiven die EU auch immer meint. Die Ausbildung und das Erfordernis zum Handwerksmeister für die Selbstständigkeit führen zu mehr Stabilität der Betriebe. Das zeigt einmal mehr die Entwicklung bei den Insolvenzen im Handwerk. Der Anteil der Handwerkswirtschaft an allen Unternehmensinsolvenzen in Deutschland liegt aktuell zwar weiterhin bei etwa einem Fünftel. Seit dem Jahr 2008 verringerten sich die Insolvenzzahlen im Handwerk mit minus 30,7 Prozent jedoch stärker als gesamtwirtschaftlich die Unternehmensinsolvenzen (minus 26,6 Prozent). Regulierung hat also auch ihre guten Seiten.

(c) Creditreform-Magazin

(c) Creditreform-Magazin 4/2017

 

 

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