Der Mittelstand wird vermisst

Der Mittelstand, nicht der unternehmerische, sondern der der Bürger in Deutschland, ist in Schwierigkeiten. Der aktuelle SchuldnerAtlas für Deutschland, zeigt, dass gerade die Überschuldung in den mittleren Schichten zugenommen hat – und dies trotz der guten Konjunktur.

Tatsächlich lassen sich weitere Merkmale für das „Problem Mittelstand“ festhalten. Da ist zunächst die Tatsache, dass die Einkommensentwicklung und die Vermögensverhältnisse in den letzten Jahren nur in den oberen Schichten deutlich verbessert wurden. Trotz guter Tarifabschlüsse und eines kräftigen Arbeitsmarktes zeigt sich, dass die Zahl der atypisch Beschäftigten zunimmt. Wer aber nur in Teilzeit beschäftigt ist, hat finanzielle Probleme angesichts steigender Mieten und höherer Energiekosten. So teilt sich der Mittelstand: in einen eher prekären Teil und einen Aufsteigerbereich. Die Vielzahl „kleiner Leute“, die einmal die Mitte der Gesellschaft prägten, verschwindet langsam. Die letzte Bundestagswahl mit den hohen Verlusten der Volksparteien, die sich als Vertreter der – kleineren oder größeren – Mittelständler sehen, ist ein wei­t­eres Beispiel für diese Entwicklung.

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, wusste Karl Marx anzumerken. Und so verändern sich auch die Tugenden des Mittelstandes. Die Erwerbsbiografien werden unsteter, Schulden sind kein Makel mehr, Vorsorge und Sicherheit verlieren an Bedeutung. Angesichts veränderter Bedingungen für die Erwerbstätigkeit durch Globalisierung und Digitalisierung reagieren nur wenige mit erhöhtem Einsatz und Anpassung. Viele verfallen in Gleichgültigkeit oder versuchen, den Schein von gewissem, mittelständischem Wohlstand aufrechtzuerhalten. Die einen öffnen keine Rechnung mehr, die anderen bekommen mehr und mehr Rechnungen. Sie sind es, die dann in die Überschuldung geraten.

Michael Bretz

© Creditreform-Magazin

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