Wenn die Zinsen steigen…

Ein Gutes hätte die Zinswende ja. Deutschlands Sparer könnten sich endlich darüber freuen, dass das Geld auf dem Konto wieder einen kleinen Ertrag abwirft. Denn trotz aktuell drohender Negativzinsen, auch für privaten Kunden, können sich die Deutschen noch immer nicht zu mehr Risiko entschließen. Aktien bleiben – anders als in anderen Ländern – weitestgehend tabu.

Nun wird über steigende Zinsen viel geredet. In den Veröffentlichungen der EZB wird zwischen den Zeilen gelesen, wie sonst nur in den Enzykliken des Vatikans oder den Parteibeschlüssen der KP Chinas. Dabei ist klar: Es ist nicht die lockere Geldpolitik in Brüssel, die Sorgen bereitet, sondern die Zinswende selbst. Was passiert, wenn die Zinsen steigen? Welche Folgen hätten eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank und damit ein Anstieg der Fremdkapitalzinsen für die traditionell fremdfinanzierte deutsche Wirtschaft?

Wir haben uns aktuelle Jahresabschlüsse näher angesehen – Grundlage ist die Creditreform Bilanzdatenbank – und müssen feststellen: Rund zehn Prozent sind bei der Ertragssituation in den roten Zahlen. Insgesamt 15,4 Prozent der Betriebe können die Zinsen nicht aus dem Gewinn zahlen. Dieser Anteil würde ansteigen: Ein moderater Zins­anstieg für langfristiges Fremdkapital um plus 1,5 Punkte durch den Kreditgeber würde die Schuldentragfähigkeit verringern und den Anteil der Unternehmen, die keine adäquate Zinsdeckung erreichen, um 1,5 Prozentpunkte ansteigen lassen (16,9 Prozent der Unternehmen). Bei einer Erhöhung der Zinsen um drei Prozentpunkte für die Unternehmensfinanzierung würde fast jedes fünfte Unternehmen (19,3 Prozent) keine adäquate Zinsdeckung mehr schaffen. Sprich: Sollte die EZB Zinsschritte wagen, so würden die erwirtschafteten Erträge bei vielen nicht mehr ausreichen, um nur die Zinsen für die aufgenommenen Kredite zu bedienen.

Michael Bretz

© Creditreform-Magazin

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